MGB - Kaufberatung: Worauf man achten sollte

 

Beim MGB Kauf gilt es in erster Linie auf die Karosserie zu achten. Ist diese nicht in Ordnung, wird es schnell teuer! Am besten arbeitet man sich von vorne nach hinten durch. Das heißt, man schaut sich zuerst die vorderen Kotflügel von innen an. Oberhalb der Räder kann man Verstärkungskästen ertasten, auf deren Oberseite  sich im allgemeinen viel Schmutz findet, der im Verbund mit Feuchtigkeit dem Rost Vorschub leistet. Rostlöcher dürfen sich dort aber auf keinen Fall finden. Als nächstes werfen wir einen Blick auf das Schottblech hinter den Rädern an. Ist dieses durchgerostet, ist dahinter auch alles kaputt. Leider wird der Verkäufer sicher nicht erlauben, das besagte Blech abzuschrauben. Aber zumindest bei einem unrestaurierten Auto kann man auch so erkennen, wie es hinter diesem Blech aussieht. Hierzu betrachtet man den vorderen Kotflügel von außen entlang der Linie des Schottblechs.

Auf der Kotflügeloberseite dürfen sich in diesem Bereich keine Rostblasen finden. Falls doch, ist unter dem Kotflügel auf jeden Fall mit größeren Rostschäden zu rechnen. Da man jetzt ohnehin schon dreckige Hände hat, tastet man als nächstes den Kotflügel von innen ab. Bisweilen findet man hier verräterische Popnieten, die auf eine Pfuschreparatur mit viel Spachtel hindeuten. Der nächste Blick gilt dem unteren Teil des vorderen Kotflügels, dort, wo dieser den Schweller überdeckt. Finden sich hier Rostblasen, ist auch der dahinter liegende Schweller angegriffen, und meistens nicht nur dieser. Im Normalfall ist dann unterhalb des Kotflügels im unsichtbaren Bereich hinter dem Schottblech alles zumindest angegriffen. Der Übergang Kotflügel - Windlauf wird als nächstes geprüft. Hier sitzt ein Stahlkeder, der mit dem Kotflügel punktverschweißt ist. Rost an dieser Stelle ist zwar nur ein Schönheitsfehler, aber schwer zu beseitigen, da zur Rostentfernung der alte Keder abgetrennt und durch einen neuen ersetzt werden muss. Zum Abschluss der Inspektion der vorderen Kotflügel schaut man sich noch den Bereich der Scheinwerfer an. Rostblasen sind hier nicht selten, manchmal findet man auch hier Pfuschreparaturen mit eingenieteten Blechen.

 

Besonders kritisch: Der Verstärkungskasten am Innenkotflügel

 und die Kotflügelaufnahme

 

Als nächstes wird die Motorhaube geöffnet, die wir dabei auch etwas genauer anschauen. Beschädigungen im Bereich der vorderen Motorhaubenkante sind recht häufig und lassen sich aufgrund der doppelschaligen Konstruktion der Haube in diesem Bereich auch praktisch nicht spurlos beseitigen. Kritisch sind im Motorraum in erster Linie die Kotflügelauflage. Diese rostet gerne ab. Man muss allerdings sehr genau hinschauen, bzw. tasten, um Schäden zu entdecken. Der nächste Blick bei geöffneter Motorhaube gilt der Spritzwand. Es kommt zwar selten vor, aber der Verfasser hat schon einmal eine über die ganze Breite durchgerostete Spritzwand erlebt. Durch Bremsflüssigkeitsaustritt im Bereich des Hauptbremszylinders kann die Spritzwand im Bereich des Hauptbremszylinders auch angerostet sein, eher ein Schönheitsfehler, der aber beim Lackieren Schwierigkeiten machen kann. Als nächstes folgt ein Blick vom Motorraum aus auf die Innenkotflügel direkt hinter dem Kühlergrill. Auch hier können sich bei sehr schlechten Fahrzeugen Durchrostungen finden. Manchmal ist dieser Bereich aber auch stark wellig oder zerknittert, was auf einen größeren Unfall des untersuchten Fahrzeugs hindeutet.

 

Blick auf die Spritzwand, die insbesondere

im Bereich von Kupplungsgeber- und Hauptbremszylinder

durchgerostet sein kann

 

Als nächstes wird der sichtbare Bereich des Schwellers – hierbei auch die Wagenheberaufnahme beachten - begutachtet, auch von unten. Rost ist hier einfach zu finden, Spachtel mit Hilfe eines Magneten auch. Der Übergang vom vorderen Kotflügel zum Schweller darf nicht zugespachtelt sein. Gleiches gilt für den Übergang zwischen Schweller und hinterem Kotflügel. Da, wo der hintere Kotflügel den Schweller überdeckt, darf sich ebenfalls kein Rost sein (Vorsicht Spachtel!). Sonst ist darunter auch der Schweller durchgerostet. Das Gleiche gilt auch, wenn das vom hinteren Radkasten aus sichtbare, dreiecksförmige Abschlussblech des Schwellers durchgerostet ist.

Als nächstes folgen die hinteren Radläufe an. Ist hier von außen Rost sichtbar, sind im Normalfall auch die Innenkotflügel durchgerostet. Der Umkehrschluss gilt leider nicht, denn oftmals wird zwar der äußere Teil des Radlaufs mehr oder weniger sachgemäß gerichtet, der Innenkotflügel wird aber gelassen. Dem Verfasser ist sogar ein Fahrzeug unter gekommen, bei dem unverständlicherweise ein neuer hinterer Kotflügel über einen durchgerosteten Innenkotflügel gesetzt wurde. Auf der Oberkante der hinteren Kotflügel findet sich wieder der bereits vom vorderen Pendant bekannte Keder. Auch hier gilt: Rost ist ein Schönheitsfehler, nur leider noch sehr viel schwieriger dauerhaft zu beseitigen, als vorne. Wenn wir ein umgebautes Gummiboot vor uns haben, folgst als nächstes ein Blick auf den Bereich unterhalb der Rücklichter. Wenn der Chromumbau wirklich originalgetreu (zumindest äußerlich) ist, findet sich hier  eine etwa 4 mm breite Sicke. Wenn nicht, dann macht das zwar nichts, es sieht aber nicht original aus.

Der hintere Radlauf, hier allerdings schon instandgesetzt,

und der ebenso rostanfällige Bereich,

wo der hintere Kotflgel den Schweller überdeckt  

Gerne rostet auch das Heckblech unter der hinteren Stoßstange. Oft ist es auch durch Unachtsamkeit beim Rückwärtsfahren beschädigt. Ohnehin auf dem Boden liegend, gilt der nächste Blick dem Bereich der hinteren Blattfederaufnahmen. Hier finden sich ab und zu Durchrostungen und diese sind absolut sicherheitskritisch! Nachdem wir ihn von außen auf Durchrostungen inspiziert haben, öffnen wir nun den Kofferraumdeckel, bzw. beim MGB GT die Heckklappe und schauen den Kofferraumboden insbesondere im Bereich der Rückleuchten genauer an. Auch hier finden sich gerne Durchrostungen.

 

Die Heckpartie mit einem sichtbar beschädigten Heckblech

Nun zum Innenraum. Hier hebt man die Teppiche oder Gummimatten im Fahrer- und Beifahrerfußraum hoch uns schaut nach Durchrostungen. Die Innenschweller kann man leider nur abtasten, ob Rostlöcher festzustellen sind. Teppich oder Gummibelag sind leider an den Innenschwellern festgeklebt, so dass es nicht möglich ist, das Blech darunter zu betrachten.

 So sollte ein MGB Inenraum aussehen

Die Türen sollten keine Durchrostungen aufweisen. Falls doch, finden diese sich im Türboden, und in der Außenhaut, in dem Bereich wo die Außenhaut um den Türrahmen umgebördelt ist. Oft findet sich ein Riss an der Türoberkante im Bereich der Dreiecksfenster. Das ist eine MGB Krankheit und trifft jeden B (oder C) irgendwann. Tun kann man dagegen wenig. Es ist halt ein Schönheitsfehler. Bei geschlossenen Türen schaut man sich als nächstes den Türspalt an. Wird dieser im Bereich des Türgriffs deutlich schmaler, ist dies ein Indiz für weiche Schweller. Letzte Sicherheit holt man sich, indem man den Wagen mit dem Wagenheber an der Wagenheberaufnahme hochhebt. Geht dann die Tür nicht mehr auf, ist der Schweller morsch, auch wenn er von außen noch gut aussieht.

 Diese Türunterkante ist schon instandgesetzt.

Rost bildet sich im Normalfall zuerst an der vorderen unteren Ecke

 

Die MGB Technik ist extrem robust. Ein lauter Ventiltrieb ist normal, schlimmer ist es, wenn man die Ventile gar nicht hört. Dann ist das Ventilspiel zu klein. Achten sollte man auch auf Klopfgeräusche aus dem unteren Motorenbereich (Kurbelwellen- und Pleuellager). Ein weiterer Blick gilt dem Bereich der Zylinderkopfdichtung an in Fahrtrichtung rechten Motorseite. MGB-Motoren sind dort sehr gerne wasserundicht und entgegen aller anderslautenden Aussagen ist dies kein Schönheitsfehler sondern kann Folgen haben, da das austretende Wasser auch die Zylinderkopfbolzen schwächt. Die Drosselklappenwellen der Vergaser, bzw. DES Vergasers beim Gummiboot in US-Ausführung, werden als nächstes geprüft. Lässt sich hier deutliches Spiel in Radialrichtung fühlen sind die Drosselklappenwellen und ihre Führungen im Vergasergehäuse ausgeschlagen. Es entsteht eine Undichtheit, über die der Motor Falschluft zieht, was wiederum die Gemischbildung und damit den Motorlauf insgesamt negativ beeinflusst. Als Abhilfe müssen die Vergaser überholt oder getauscht werden, ein Austausch der eingelaufenen Drosselklappenwellen alleine reicht im Allgemeinen nicht. Bei laufendem und warmem Motor sollte der Öldruck stabil sein und auch im Leerlauf nicht zu weit absinken. Auch sollten möglichst keine blauen Fahnen aus dem Auspuff austreten, aber das sind Binsenweisheiten.

 

Der (fast) originale Motorraum

eines MGB Roadsters Baujahr 1973

 

Das Getriebe sollte sich gut und exakt schalten lassen. Falls das betrachtete Fahrzeug einen Overdrive hat, muss dieser schnell und ohne allzu heftigen Ruck zuschalten. Schaltet der Overdrive verspätet, liegt das wahrscheinlich daran, dass zu wenig Öl im Getriebe ist, was sich leicht prüfen lässt. Stimmt der Ölstand und der Overdrive schaltet trotzdem nur sehr verzögert zu (Faustregel: Während des Schaltvorgangs aus- und wieder einkuppeln. Nach dem Wiedereinkuppeln sollte der Overdrive zugeschaltet haben.), oder springt der Overdrive sogar während der Fahrt heraus, deutet das auf Schäden am Overdrive selbst hin. Dann ist ein sehr deutlicher Preisabschlag fällig. Schaltet der Overdrive gar nicht, liegt das meisten am Magnetschalter, manchmal ist aber auch einfach nur ein Kabel vom am Getriebe befindlichen Sicherheitsschalter, der sicherstellt, dass der Overdrive nur zum dritten und vierten Gang zugeschaltet werden kann, abgefallen.

"Klatschgeräusche" beim Lastwechsel von der Hinterachse deuten auf Spiel im Differential hin. Das lässt sich durch Austauschen der Beilagscheiben unter Sonnen- und Planetenrädern bei eingebauter Achse richten, bei der frühen Banjo-Achse muss man hierzu allerdings das Differential ausbauen. Sind die Geräusche sehr laut, sind die Lager des Differentials verschlissen. Dann wird es teuer.

Macht die Vorderachse beim scharfen Bremsen Geräusche, sind fast immer die Achsschenkel verschlissen. Achsschenkel gibt es im Austausch, der Einbau ist in Eigenregie möglich, dabei sollte man auch gleich alle Gummibuchsen ersetzen und ca. einen Tag Arbeit pro Seite einplanen. 

Abschließend schaut man, ob Motor und Getriebe öldicht sind. Ein paar Tropfen Öl sind normal, Sturzbäche aber nicht.

Alle diese Tipps basieren auf Erfahrungen, die der Verfasser in langen Jahren des MGB und MGC Fahrens gemacht hat und wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Trotzdem wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, genauso, wie wir natürlich auch keine Haftung übernehmen können, wenn vielleicht etwas doch nicht stimmen sollte, oder sich ein aufgrund dieser Kaufberatung gekauftes Auto dennoch als Blender entpuppen sollte. Trotzdem haben diese Tipps schon vielen geholfen, die einen MGB gesucht haben. Und im Zweifelsfall, oder wenn Ihr Euch bei einem Auto unsicher seid, könnt Ihr euch auch gerne an den Club oder an den Verfasser dieser Zeilen persönlich wenden. 

Viel Spaß bei der Suche!

Matthias Schulze